Bilfinger Aktienanalyse

Aktie: Bilfinger | ISIN: DE0005909006 | Webseite Bilfinger

Am 3. März 2009 stürzte das Kölner Stadtarchiv ein. Dabei starben auf tragische Art und Weise drei Anwohner. Für am Bau beteiligte Unternehmen hatte dieser Vorfall fatale Folgen. Eines davon war der Industriedienstleister Bilfinger. Im besagten Jahr brach der Aktienkurs stark ein (siehe Chart), weil eventuelle Schadensersatzansprüche nicht abschätzbar waren. Gute 11 Jahre danach konnte man sich auf einen außergerichtlichen Vergleich einigen. Aber wie hat sich das Unternehmen seither entwickelt? Erwartet die Anleger gar eine Sonderdividende?

Wie funktioniert das Geschäftsmodell der Bilfinger SE?

Bilfinger ist ein international tätiger Industriedienstleister. Die Dienstleistungen tragen dazu bei, die Effizienz von Anlagen der Prozessindustrie zu steigern, ihre Verfügbarkeit zu sichern und die Instandhaltungskosten zu senken. Diese erfolgen in den Bereichen der Wertschöpfungskette von Consulting, Engineering, Fertigung, Montage, Instandhaltung, Anlagenerweiterung und deren Generalrevision bis hin zum Bau und zur digitalen Vernetzung von Komponenten. Das Unternehmen ist in den Kernregionen Europa, Nordamerika und Naher Osten tätig. Die Kunden kommen überwiegend aus den Bereichen Chemie & Petrochemie, Energie & Versorgung, Öl & Gas, Pharma & Biopharma, Metallurgie und Zement. Zum Ende des Geschäftsjahres 2020 beschäftigte Bilfinger rund 28.000 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz von rund 3,5 Mrd. €.


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Welche Chancen oder Risiken sind für den Konzern vorhanden?

Bei der Risikoeinschätzung kann man sagen, dass man als Industriedienstleister natürlich von seinen Kunden abhängig ist. Im Geschäftsfeld „Petrochemie“ sind diese wiederrum abhängig vom Ölpreis bzw. von der volatilen also sprunghaften Ölpreisentwicklung. Für betroffene Unternehmen reduziert sich – wenn dieses Schwankungen nicht an den Verbraucher 1:1 weitergibt – der Gewinn und folglich ist weniger Kapital für Instandhaltungs- oder Erweiterungsinvestitionen zur Verfügung. Dieser Industriezweig steht in Anbetracht der fossilen Brennstoffe vor einer großen Herausforderung. Man kann hier aber auch ein positives Beispiel nennen, denn Bilfinger hat sich mit „Shell Energy and Chemicals Park Rotterdam“ auf fünf weitere Jahre Zusammenarbeit in der bereits seit 50 Jahren bestehenden Partnerschaft geeinigt.

Als eine Altlast konnte man das Verfahren resultierend aus dem Einsturz des Kölner Stadtarchives im Jahr 2009 bezeichnen. Dieses Problem hat sich allerdings am 29.06.2020 gelöst, da man sich außergerichtlich auf einen Vergleich einigen konnte. Ergebnis war, dass die Versicherung von Bilfinger für die veranschlagten 200 Mio. € Schadenersatz aufkommt und es keinerlei negative Auswirkungen auf das Betriebsergebnis gibt.

Man kann vom Verkauf des Konzernbereichs „Building and Facilities Services“ – heute „Apleona“ – im Jahr 2016 immer noch von einer guten Chance für das Unternehmen sprechen, denn Bilfinger sicherte sich beim damaligen Käufer, dem Finanzinvestor EQT, eine Beteiligung am Weiterverkauf von Apleona von 49% nach Abzug der Unternehmensschulden. Ende 2020 war es dann soweit. EQT verkaufte an den französischen Immobiliendienstleister PAI Partners, was Bilfinger wiederrum knapp 200 Mio. bescherte. Diese Zahl taucht im Geschäftsbericht beim Posten „übriges Finanzergebnis“ auf.

https://www.boersen-zeitung.de/unternehmen-branchen/bilfinger-profitiert-von-apleona-deal-520b0c17-d5f2-41a0-a49b-1b96914516d2

Weiterhin erfolgte eine Umstrukturierung des Unternehmens auf nunmehr 145 Einheiten, um die Personalkosten zu reduzieren. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Bilfinger SE selbst gut aufgestellt ist, was die wirtschaftlichen Zahlen betrifft. So legte der Umsatz im 2. Quartal des Geschäftsjahres um 23% auf ca. 977 Mio. zu. Allerdings besteht eine starke Abhängigkeit als Industriedienstleister zu den entsprechenden Industriesegmenten.

▲ Quelle: www.finanzen.net

Wie sieht es mit der Nachhaltigkeit bei Bilfinger aus?

Für das Geschäftsjahr 2021 soll erstmals eine Berichterstattung der Scope1 und Scope2 Emissionen stattfinden. Das zeigt, dass im Bereich der Energie und Emissionen bisher wenig unternommen wurde, da im Dienstleistungsbereich viel weniger Energie benötigt wird und weniger Müll entsteht, als im produzierenden Gewerbe. Der Scope1-Bereich umfasst die Emissionsquellen, die im direkten Geltungsbereich des Konzerns stehen, z.B. der Fuhrpark. Scope2-Emissionen stammen aus der Nutzung der Energie, die eingekauft wird, z.B. Strom. Es ist also nicht erstaunlich, dass im Geschäftsbericht 2020 angegeben wird, dass in diesen Feldern Entwicklungs- und Einsparpotential vorliegt.

Beim eigentlichen Kerngeschäft liegt das Augenmerk darauf, die Kunden bei der Umstellung bzw. Optimierung auf effizientere Energienutzung zu unterstützen. In der Investitionsphase sind dies Beratungs- und Engineering-Leistungen für die Konzeption und Planung der Anlagen.

„Da die Anlagen in der Prozessindustrie während des Betriebs einen hohen Energiebedarf haben und derzeit primär fossile Energieträger nutzen, erzeugen sie einen hohen Ausstoß erderhitzender Emissionen. Laut einem Bericht der International Energy Agency (IEA)* lag der Anteil durch die Schwerindustrie – wie etwa Chemie, Zement- oder Stahlproduktion – verursachten CO2-Emissionen im Jahr 2019 weltweit bei 26 Prozent.(…) Mit unseren nachhaltigen Industrieservices wollen wir unseren Kunden helfen, mit dem Spannungsfeld aus hohem Energiebedarf und zunehmendem regulatorischem Druck zur Einsparung von Treibhausgasen – allen voran CO2 – umzugehen.“

Zur Verbesserung der Energieeffizienz kommen noch die Komponenten „Leistungen im Zusammenhang mit grünem Wasserstoff“ und „Leistungen zur Behandlung unvermeidbarer Emissionen“. Wenn man Projekte auf der Website von Bilfinger sucht, existiert leider keine Weiterleitung mehr. Es gibt auch keinen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht, sondern lediglich die Einbindung des Themas in einen „Nichtfinanziellen Konzernbericht“.

Abschließend lässt sich sagen, dass der Umweltgedanke erst mit Verschärfungen von Klimabeschlüssen durch die EU im Jahr 2020 mit in das Konzernleitbild integriert wurde. Es besteht also noch Entwicklungspotential, obgleich man sagen muss, dass es als Dienstleiter auch weitaus schwieriger ist, weil man letztendlich meist nur die Scope-1-Emissionen direkt beeinflussen kann. Anbei findet ihr wie immer den Link zum Nachhaltigkeitsbericht von Bilfinger:

www.bilfinger.com/fileadmin/corporate_webseite/unternehmen/verantwortung/nachhaltigkeit/GB2020_d_Teil_E-01.pdf

Entwicklung der Rendite:

▲ Quelle: www.aktienfinder.net

Finanzlage des Bilfinger Konzerns

Die Eigenkapitalquote ist mit 35,00% in einem guten Bereich, was Stabilität gegenüber externen Kapitalgebern bedeutet.

Der Umsatz belief sich im Jahr 2020 auf 3,46 Mrd. € im Vergleich zu 4,33 Mrd. € im Vorjahr. Diese Reduktion um 20,09% lag laut Unternehmen an einem Auftragsrückgang durch die Corona-Pandemie 2019, sowie durch Nachteile aus der Entwicklung des volatilen Ölpreises. Es bleibt allerdings ein Konzernergebnis von 99,4 Mio. € für das Geschäftsjahr 2020. Grund hierfür ist vor allem das übrige Finanzergebnis von 208,3 Mio. €, das in die Gesamtergebnisrechnung mit einfließt.

Für das Jahr 2020 lag das Ergebnis / Aktie bei 2,47 und als Dividende gab es 1,88 € pro Aktie. Für die Hauptversammlung 2022 soll eine Sonderdividende von ca. 3,75€ pro Aktie vorgeschlagen werden, die zusätzlich zur Gewinnbeteiligung des Geschäftsjahres 2021 von wieder ca. 1,88€ gezahlt werden soll. Als Gesamtpaket werden ca. 150 Mio. € kolportiert.

Für das laufende Jahr peilt das Unternehmen eine Marge von ca. 3% und knüpft damit über dem Vorkrisenniveau 2019 an, in welchem die Marge bei 2,4% lag.

https://www.finanzen.net/nachricht/aktien/gewinn-im-quartal-bilfinger-aktie-mit-kurssprung-bilfinger-wird-fuer-2021-etwas-optimistischer-will-schulden-frueher-tilgen-10435784

Bewertung:

▲ Quelle: www.aktienfinder.net

Wie wird sich die Bilfinger Aktie entwicklen?

Als positives Zeichen für die künftige Entwicklung des Bilfinger-Konzerns gilt die außerordentliche Abwicklung eines Verfahrens, das mit dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs 2009 begann.

„Im Fall des Einsturzes des Kölner Stadtarchivs haben sich die beteiligten Parteien auf einen außergerichtlichen Vergleich geeinigt. Die auf Bilfinger entfallenden Zahlungen in Höhe von 200 Millionen Euro werden vollständig durch die Versicherer abgedeckt. Somit haben die Vergleichszahlungen, wie vom Unternehmen erwartet, keine Auswirkung auf die Finanz- und Ertragslage des Konzerns.“

https://www.bilfinger.com/media/news/bilfinger-erzielt-vergleich-zum-stadtarchiv-koeln/

Dieses schwebende Verfahren belastete die Kursentwicklung der Aktie, sodass mit der Mitteilung der Nachricht auch ein Kurssprung verbunden war.

Ein weiteres positives Merkmal ist der Versuch, die Unternehmensschulden früher zurückzuzahlen: „Bilfinger werde 109 Millionen Euro für die vorzeitige Ablösung der ausstehenden Tranchen der Schuldscheindarlehen im Oktober 2021 statt im April 2022 verwenden. Dies führe zu einer Zinseinsparung von drei Millionen Euro, hieß es.“

Das entsprechende Kapital stammt aus dem Weiterverkauf der Anteile an Apleona. Bereits in jüngster Vergangenheit flossen durch ein derartiges Geschäft hinsichtlich der früheren Tochter im „Facility Management“ dem Unternehmen ca. 458 Mio. € zu.

https://www.finanzen.net/nachricht/aktien/gewinn-im-quartal-bilfinger-aktie-mit-kurssprung-bilfinger-wird-fuer-2021-etwas-optimistischer-will-schulden-frueher-tilgen-10435784

Ein für mich ist der Rückkauf von Aktien durch die Bilfinger SE ein ebenso wichtiges Kriterium. Dazu sollen ab Sommer 2022 Aktien im Wert von ca. 100 Mio. € gekauft werden. Was sich natürlich gut auf das Verhältnis von Ergebnis / Aktie auswirkt, insofern diese vom Markt genommen werden, einmal abgesehen von der durch die Nachfrage beeinflussten Kurssteigerung. Alles in allem, scheint das Teilhaberpapier der Bilfinger SE ein gutes mittelfristiges Anlageobjekt, dass sich vor allem im Bereich der Dividendenausschüttung für diejenigen lohnt, die weniger auf die Kursentwicklung setzten, als auf Dividendenausschüttung.

Pro und Contra Bilfinger Aktie

Quellen:

  • www.bilfinger.com
  • www.aktienfinder.net
  • www.finanzen.net
  • www.bilfinger.com/media/news/bilfinger-erzielt-vergleich-zum-stadtarchiv-koeln/
  • www.boersen-zeitung.de/unternehmen-branchen/bilfinger-profitiert-von-apleona-deal-520b0c17-d5f2-41a0-a49b-1b96914516d2
  • www.finanzen.net/nachricht/aktien/gewinn-im-quartal-bilfinger-aktie-mit-kurssprung-bilfinger-wird-fuer-2021-etwas-optimistischer-will-schulden-frueher-tilgen-10435784

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Lernbuch
ISBN: 978-3-7471-0505-4
Seiten: 176

Mehr Informationen


Disclaimer: Der Autor hält zum Analysezeitpunkt keine Aktien dieses Unternehmens. Alle Aktienanalysen sind weder Kauf- noch Verkaufsempfehlungen sondern redaktioneller Text. Keine Haftung für Irrtümer sowie Richtigkeit der Angaben.

Fragen und Antworten zur Bilfinger Aktie:

Wieviel Dividende zahlt Bilfinger ?

Bilfinger zahlt (Stand 24.11.2021) eine Dividende von 1.88 Euro je Aktie. Im Rahmen der Hauptversammlung 2022 soll sogar eine Sonderdividende von 3.75 Euro je Aktie vorgeschlagen werden

Wo liegt das Kursziel der Bilfinger Aktie ?

Das mittlere Kursziel der Bilfinger Aktie liegt bei 35.54 Euro (Stand 24.11.2021). Erst am 12.11.2021 hob die DZ Bank ihre Einschätzung auf Kaufen mit Kursziel 38.00 Euro an.

Wo ist die Bilfinger Aktie gelistet ?

Die Bilfinger Aktie ist im SDAX sowie im EuroStoxx gelistet. Hauptbörsenplatz ist XETRA in Frankfurt

Wieviel Aktien von Bilfinger gibt es ?

Aktuell sind 41.037.328 Aktien von Bilfinger im Umlauf (Stand 24.11.2021)

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