Piaggio Aktienanalyse

Aktie: Piaggio | ISIN: IT0003073266 | Analysedatum 03.11.2021

Piaggio ist eine Kultmarke – Roller könnten viele PKWs aus den Städten verdrängen ! Dividendenrendite von über 5% im Jahr 2022 lt. Prognose

Der Markt für 2 und 3 rädrige Fahrzeuge wächst bis 2026 um 7.63% pro Jahr. Bereits fast die Hälfte aller neu verkauften Roller und kompakten Motorräder sind elektrifiziert. In Märkten wie Indien, Indonesien, China und Südeuropa sind Motorroller äußerst beliebt. Piaggio entwickelt auch Transportroller für Speditionen, Paket- und Kurierdienste. Unsere Innenstädte werden sich in den nächsten 5 – 10 Jahren stark verändern. Der Klimawandel kann nicht aufgehalten werden, wenn der PKW Verkehr in den Städten nicht abnimmt. Dennoch wird der Individualverkehr nicht durch den ÖPNV ersetzt werden können. E-Bikes aber auch schnellere E-Scooter sind mehr und mehr gefragt und Piaggio ist eine Kultmarke, die ganz vorne mit dabei sein wird. Auf der Website Piaggio Fast Forward stellt Piaggio Innovationen rund um das Thema “neue Mobilität” vor.
Piaggio wurde im Jahr 2003 durch den italienischen Investor Roberto Colaninno übernommen.

Piaggio Chef Roberto Collanino führt seit 2003 das Unternehmen

Damals stand das Unternehmen kurz vor der Pleite. Bis heute hält Colaninno mehr als die Hälfte der Piaggio-Aktien. Unter seiner Federführung gelang es Piaggio im asiatischen Raum Fuß zu fassen. Colaninno legte nie großen Wert darauf, dass Piaggio rasant wächst. Sein Fokus lag darauf, kosteneffizient zu arbeiten und nachhaltig zu wachsen. Es gibt und gab keine riskanten Großinvestitionen, keine Übernahmen. Piaggio verzeichnete in den letzten Jahren deshalb auch nur ein geringes Umsatzwachstum:

“Piaggio ist in Europa Marktführer im Rollerbau. Der Umsatz soll bis zum Jahr 2023 auf über 2 MRD Euro steigen”

Piaggio CEO Colaninno
Neue Elektroroller überzeugen durch niedrige Preise und hohe Reichweiten. Quelle Piaggio

Neue Elektroroller wie der Piaggio 1Active überzeugen mit niedrigen Preisen und hohen Reichweiten. Besitzer von E-Bikes für 5.000 Euro und mehr wissen was ich meine 🙂 Aber auch Lastenroller wie der MyMoover können eine sinnvolle Alternative zum PKW sein. Innerstädtische Lieferdienste wie die italienische Post setzen auf das Lastenmodell mit lenkender Hinterachse. Das Ladevolumen beträgt mit 80 Kilogramm etwa das Doppelte der Konkurrenz. Ein Ausweisleser kann optional installiert werden. Dabei handelt es sich um ein Fahrer-Erkennungssystem, das mittels einer Karte, einem Smartphone oder einem PDA aktiviert werden kann.

Piaggio und BP unterzeichnen Absichtserklärung im Oktober 2021

BP und Piaggio haben beide eine Absichtserklärung im Oktober 2021 unterzeichnet um die Elektromobilität voranzutreiben (Quelle Elektroauto News). Der Blick richtet sich vorwiegend zuerst auf den indischen Markt. Dort sind Fahrzeuge mit zwei und drei Rädern äußerst beliebt. Piaggio und BP wollen dort Ladestationen ausbauen, Batterien weiterentwickeln und diverse Dienstleistungen anbieten. Auch die Entwicklung von Elektrofahrzeugen ist angedacht. Weitere Märkte in Asien – insbesondere China und Vietnam sollen im Anschluss folgen. Die BP Tochter Jio-BP ist für den Markt zuständig. Die Bündelung von Piaggios Know How und der globalen Reichweite des BP Konzerns schafft einen deutlichen Mehrwert.

Partnerschafts zwischen BP und Piaggio - Insbesondere in Indien wollen beide das Geschäft stark ausbauen

Konkurrenten Honda und Yamaha

Piaggio kann mit den großen Stückzahlen der Konkurrenten Honda und Yamaha nicht mithalten. So bleibt nur die Strategie der Differenzierung. Wer im BWL Studium gut aufgepasst hat, der wird sich an die Differenzierungsstrategie von Porter noch erinnern. Durch die Besinnung auf die “Marke” den “Kultstatus” könnte es Piaggio schaffen, an der Mobilitätswende nachhaltig beteiligt zu sein. Piaggio ist seit Jahrzehnten eine Kultmarke.

Hier ein Vergleich der Marktmitbewerber:

Honda: KGV von 8.92 sowie eine Nettomarge von rund 6%

Yamaha: KGV von 13.9 sowie eine Nettomarge von rund 6.3%

Piaggio: KGV von 17.8 sowie eine Nettomarge von rund 3.47%

Wie an der hohen Bewertung zu sehen ist, ist Piaggio noch weit davon entfernt den Kultstatus zu monetarisieren.

Umsatz und Gewinn von Piaggio

Roberto Colaninno, Chairman und CEO der Piaggio-Gruppe: Die Ergebnisse der Piaggio-Gruppe für die ersten neun Monate des Jahres 2021 sind angesichts der Probleme, die sich aus der Pandemie ergeben, offensichtlich zufriedenstellend. Durch die starke Verbesserung des EBITDA auf rund 193 Millionen Euro und Mittelzuflüsse konnten wir die Verschuldung um mehr als 70 Millionen Euro reduzieren. Die Steigerung der Produktivität ist weiterhin unser Ziel, um die offensichtlichen Komplikationen bei der weltweiten Versorgung zu mildern. (Quelle: Investor Relations vom 29.10.2021)

Umsatz, Gewinn und Dividende Piaggio. Quelle Marketscreener

Im Jahr 2020 gabe es bei Piaggio eine größe Umsatzdelle bedingt durch Corona. Schon 2021 wird der Umsatz wieder über dem Vorkrisenniveau liegen um rund 1.67 MRD Euro erreichen.

Positiv ist zu erwähnen, dass die EBIT-Marge in den ersten 9 Monaten des Jahres 2021 mit 7.4% über dem Durchschnitt lag. Es wurden rund 430.000 Fahrzeuge ausgeliefert was einem Anstieg von 21.7% gegenüber dem 30.09.2020 entspricht. Der Umsatz von Piaggio im Jahr 2021 wird auf 1.675 MRD Euro geschätzt, für 2022 auf 1.869 MRD Euro und für 2023 auf 2.043 MRD Euro.

Fundamentale Prognosen sehen vielversprechend aus. Quelle Factset / Ing.-Bank

Wo erzielt Piaggio weltweit seine Umsätze ?

Umsatz Piaggio nach Region. Quelle Marketscreener

Piaggio erzielte im Jahr 2020 fast 45% des Umsatzes im EMEA Raum (Europa, Mittlerer Osten und Afrika). Einen besonders hohen Nachfragerückgang gab es in Indien. Dort brachen die Umsätze von 430.3 Mio Euro im Jahr 2019 auf nur noch 233 Mio Euro in 2020 ein. Indien war stark von Corona betroffen. Der indische Markt hat sich meiner Recherche nach weitestgehend erholt.

Laut Statista wird im Bereich “Absatz Motorroller weltweit – alle Marken” ein Wachstum bis 2026 von 7.63% pro Jahr erwartet.

Hohen Cashflow im ersten Halbjahr 2020 aufgebaut

Piaggio konnte durch das gut laufende Geschäft im ersten Halbjahr 2021 deutlich Cashflow aufbauen. Betrug der operative Cashflow im Vorjahreszeitraum per 30.06.2020 noch -20.07 Mio €, so stieg dieser per 30.06.2021 auf 95.4 Mio € an.

Auf Jahressicht wird der operative Cashflow von Piaggio zum 31.12.2021 voraussichtlich bei 202.45 Mio Euro liegen. Laut Analystenprognosen steigt dieser im Jahr 2022 um 17.3 Millionen Euro auf 219.75 Mio Euro per 31.12.2022.

Piaggio Aktie Dividenden

Piaggio ist ein guter Dividendenzahler. Die Dividendenrenditen der vergangenen Jahre sowie Prognose 2022:

JahrDividendenrendite in %
20172,43%
20183,03%
20195,26%
20203,44%
20214,45%
2022e*5,57%

Die hohen Dividendenrenditen machen die Piaggio Aktie interessant ! So erhielten Aktionäre im Jahr 2021 eine Dividende von 0,12 € je Aktie. Aktionäre die noch 2021 Dividende erhalten wollten sind leider zu spät, denn Piaggio zahlte bereits zum 20.09.2021 die heurige Dividende aus.

Doch wie sicher ist die Dividende ?

Vor dem Hintergrund der hohen Ausschüttungsquoten ist die Dividende aus meiner Sicht in dieser Höhe nicht sicher. Im Jahr 2019 betrug der Gewinn je Aktie 0.13 € und Piaggio schüttete sogar 0.15 € Dividende aus. Auch 2020 wurde der komplette Gewinn in Form von Dividenden ausgeschüttet. So betrug 2020 die Ausschüttung 0.09 € je Aktie was dem Gewinn entsprach. Für 2021 liegt die Gewinnprognose bei 0.16 €, die Dividendenzahlung bei 0.11 € je Aktie.

Die Dividende ist nur sicher, wenn es Piaggio schafft die Nettomargen zu steigern. Diese müssten bei 4.5% und mehr liegen um langfristige Dividendensteigerungen zu sichern. Auch die Verschuldung kann so nicht abgebaut werden.

Wie hoch ist Piaggio verschuldet ?

Piaggio wird von den Ratingagenturen Standard & Poors sowie von Moodys gerated. Wie auf der Grafik zu sehen ist, vergab S&P die Note B+ und Moodys die Note Ba3. Beide schätzten den Ausblick Piaggios mit positiv bzw. stabil ein.

Rating Piaggio Stand November 2011. Quelle Piaggio Investorseiten

Aktionärsstruktur Piaggio

Die Aktionärsstruktur von Piaggio im Detail:

Aktionärsstruktur. Quelle Marketscreener

Größter Einzelaktionär ist die Immsi S.p.A.. Immsi ist eine italienische Holdinggesellschaft die an verschiedenen Industrieunternehmen sowie auch im Immobiliensektor beteiligt ist. Vorstand ist der 1976 geborene Michele Colaninno. Er ist der Sohn von Roberto Colannino – der Piaggio wie eingangs erwähnt – im Jahr 2003 kaufte.

Roberto Colaninno mit Sohn Michele Colaninno. Quelle Fuori Giri

Zweitgrößter Aktionär ist Diego Della Valle. Della Valle ist der Vorstandsvorsitzende der Nobelmarke Tod`s und einer der reichsten Italiener. Weitere Aktionäre sind die Swedbank, Vanguard Group und Polar Capital. Dies jedoch nur in geringem Rahmen.

Piaggio Aktienchart

Chart Piaggio Aktie 2017 - 2021. Quelle ING

In der Chartbetrachtung seit 2017 sehen wir das Tief bei 1.47 Euro im März 2020. Im Juni 2021 erreichte die Aktie mit 3,48 Euro das 10-Jahreshoch. Auf die Bekanntgabe der Q3/2021-Zahlen am 29. Oktober 2021 reagierten die Anleger äußerst negativ. Die Zahlen waren zwar wie erwartet, dennoch wurde die Aktie abverkauft und sank von 3.15 Euro auf 2.85 Euro.

Piaggio Aktie Analystenempfehlungen

Von den derzeit 8 Analysten, die die Piaggio Aktie einstufen raten 5 Analysten zum Kauf der Aktie. 2 Analysten stuften Piaggio auf HOLD ein. Kein Analyst rät zum Verkauf der Aktie. Das mittlere Kursziel liegt zum Zeitpunkt der Aktienanalyse bei 3.72 €.

Analystenkonsens. 78% raten zum Kauf, 22% zum Halten der Aktie. Quelle Piaggio Investor Relations

Fazit Piaggio Aktie

Als ich kurz die Piaggio Aktie überflog fand ich die Zahlen auf den ersten Blick nur mäßig. Kaum Wachstum in den letzten Jahren. Der Gewinn wird im Prinzip fast komplett durch Dividendenauszahlungen aufgefressen.

Auf den zweiten Blick jedoch gefallen mir die Zukunftsaussichten. Der weltweite Markt für Motorroller soll laut Statista bis 2026 um jährlich 7.63% wachsen. Roller für Innenstädte sind eine sehr gute Alternative zum PKW.

Die Kooperation mit BP in Indien könnte Piaggios Umsatz nachhaltig ankurbeln. Zudem ist die Aktionärspolitik sehr freundlich durch die eben hohe Ausschüttungsquote. Man ist quasi als Aktionär direkt am Gewinn beteiligt. Ebenfalls gefällt mir die Aktionärsstruktur. Über 50% der Anteile hält die Holding der Familie Collanino.

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Disclaimer: Alle Aktienanalysen sind weder eine Kauf noch Verkaufsempfehlung. Es handelt sich hier um meine eigene Meinung und keine Anlageberatung. Alle Zahlen wurden mit bestem Gewissen recherchiert. Ich werbe hier für keines der Unternehmen. Kursentwicklungen der Vergangenheit sind kein Garant zukünftiger Kursentwicklungen. Für eventuelle Fehler und Unvollständigkeit übernehme ich keine Haftung. Der Autor hält Aktien von Piaggio. Es ist möglich, dass der Autor mit den Wertpapieren in privaten Depots, als auch im Wikifolio handelt. Dies könnte ein möglicher Interessenkonflikt sein, auf den ich hinweisen muss. Erstellungsdatum 03.11.2021

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